Mittwoch, 10.03.2010

Aktuell 

 



Ein Kriminologe und sein Halbwissen

9. März 2010: Der MDR brachte gestern ein Radio-Interview mit Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Pfeiffer sprach über den Zusammenhang zwischen Pädophilie und Zölibat, über Therapiemöglichkeiten für Pädophile und über die Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch:

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Vom Umgang mit Schatten und Dämonen

6. März 2010: Es steht schon längere Zeit in meinem Bücherregal, aber erst vor kurzem bin ich dazu gekommen, es zu lesen. In seinem Werk  „Die Welle ist das Meer“  erklärt der Benediktinermönch und Zen-Meister Williges Jäger seine mystische und transkonfessionelle Religiosität, wie sie sich ihm in seiner mittlerweile über 80-jährigen Lebenserfahrung erschlossen hat. Ohne es zu wollen, schreibt Williges Jäger auch über das Problem der Pädophilie:

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„Kein Täter werden“ bald auch in Bayern

28. Februar 2010: Im August vergangenen Jahres wurde bekannt, dass auch in Bayern ein Präventionsprojekt für Pädophile nach dem Vorbild der Berliner Charité („Kein Täter werden“) entstehen soll. Eine entsprechende Anlaufstelle sollte in Regensburg unter der Leitung von Prof. Michael Osterheider eingerichtet werden. Das Projekt stand lange Zeit auf der Kippe, da die Bayrische Staatsregierung nicht bereit war, die notwendigen Gelder bereit zu stellen. Inzwischen gibt es eine erfreuliche Wendung. Der bayerische Landtag hat für das laufende Jahr 200.000,- Euro bewilligt, mit denen das Projekt finanziert werden kann:

Hilfseinrichtung für pädophile Männer

Offenbar hat der aktuelle Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche mit dazu beigetragen, die Politiker zum Umdenken zu bewegen. Nachdem die Finanzierung des Projekts gesichert ist, soll es jetzt zügig vorangehen. Bereits im Mail soll die Regensburger Ambulanz ihre Arbeit aufnehmen. Die Zielgruppe ist die gleiche wie in Berlin: Angesprochen sind pädophil empfindende Menschen, die sich der Problematik ihrer sexuellen Ausrichtung bewusst sind und freiwillig nach Hilfe suchen, damit sie niemals Kinder missbrauchen.



Kinderheim Wolfshagen: Selbstdarstellung und Wirklichkeit

24. Februar 2010: Unter Meine Zeit im Kinderheim habe ich beschrieben, wie ich unter meinem Aufenthalt in zwei verschiedenen Kinderheimen gelitten habe. Was mir und anderen Kindern passiert ist, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Es ärgert mich aber, dass sich das Kinderheim Wolfshagen im Internet noch heute als professionelle pädagogische Einrichtung anpreist, der man seine Kinder bedenkenlos anvertrauen könne.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, denn die wenigsten Leute werden wissen, wie es hinter der geschönten Fassade zugeht. Dazu habe ich mir die konzeptionelle Selbstbeschreibung des Kinderheims Wolfshagen vorgenommen und sie meiner eigenen persönlichen Erfahrung gegenüber gestellt.

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Heimkinder besonders gefährdet

20. Februar 2010: Der Kinder- und Jugendpsychiater Jörg M. Fegert von der Universität Ulm arbeitet seit vielen Jahren mit sexuell missbrauchten Kindern. Nach seiner Einschätzung haben Kinder, die in Heimen oder Institutionen leben, ein besonders hohe Risiko, zum Opfer einer sexuellen Gewalttat zu werden, so Fegert gegenüber der „Frankfurter Rundschau“:

Die Macht zum Missbrauch

Fegert beklagt, dass viele Einrichtungen immer noch nicht im Sinne der Opfer handelten. Mitarbeiter würden oft bewusst wegsehen, weil ihnen der Ruf der Einrichtung wichtiger sei als das Hinterfragen von Strukturen. Zur Prävention fordert Fegert „intelligente Beschwerdesysteme“. In seinem eigenen Verantwortungsbereich (Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm) hat er bereits reagiert: Auf jeder Station gibt es Telefone, die zu den Jugendämtern freigeschaltet sind.

Ich wurde während meiner Zeit im Kinderheim zwar nicht sexuell missbraucht, aber ich kann bestätigen, dass die Strukturen in Kinderheimen solche Taten begünstigen. Kinderheime sind auch heute noch eine abgeschottete Welt für sich, wo man ‒ ähnlich wie in der Kirche ‒ dazu neigt, Probleme „intern“ zu lösen, ohne Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Auch die Kinder selbst haben meist nur wenig Kontakt nach draußen, so dass sie im Zweifel schwer auf Unterstützung von außen hoffen können. Hier wären die Politik und insbesondere die Jugendämter gefordert, gefährdete Institutionen wie Kinderheime oder Kinderkliniken noch sehr viel stärker zu kontrollieren als bisher. Kinderheime dürfen keine abgeschotteten Systeme mehr sein; ihre Arbeit muss genauso transparent und hinterfragbar sein, wie das z. B. an öffentlichen Schulen der Fall ist.

 


Sexueller Missbrauch: Ist das Zölibat schuld?

18. Februar 2010: Es war zu erwarten, dass die katholische Kirche sich nach den öffentlich gewordenen Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg verteidigen wird. Die Reaktionen sind vielfältig und reichen von glaubhafter Selbstkritik bis zu plumpen Schuldabwälzungen auf die „sexuelle Revolution“, wie sie kürzlich von Bischof Mixa geäußert wurden. Ganz aktuell äußert sich der Theologe und Psychiater Dr. Manfred Lütz gegenüber den katholischen Nachrichten von „Kath.net“:

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Professor Beier will pädophilen Priestern helfen

12. Februar 2010: Die öffentliche Diskussion zu den Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg reißt nicht ab. Ein gefragter Interview-Partner ist derzeit auch Prof. Beier von der Charité. Er ist davon überzeugt, dass man pädophile Priester therapeutisch erreichen kann, bevor sie straffällig werden. Das ginge aber nur, wenn die Kirche diesen Prozess unterstützt und nicht schon die pädophile Neigung also solche verurteilt:

„Wie blinde, die glauben, sehen zu können“

Es ist interessant, wie sich Beier der Sprache seiner Zielgruppe anpasst. So spricht er z. B. von pädophilen Neigungen als „Teil der göttlichen Schöpfung“, was für einen Mediziner eine recht untypische Wortwahl ist. Mir war bis heute nicht bekannt, dass Beier bereits vor über einem Jahr an Papst Benedikt geschrieben hat. Von der Antwort, so lässt sich heraushören, scheint er allerdings nicht sonderlich begeistert zu sein. Von daher sollte man sehr genau beobachten, ob die katholische Kirche wirklich bereit ist, die geforderte Kooperation zu zeigen. Wenn sie es ernst meint mit ihrem Kampf gegen die Missbrauchstäter in den eigenen Reihen, dann sollte die Kirche dankbar sein für solche Hilfsangebote aus der Sexualmedizin ‒ und sich nicht der Hoffnung hingeben, das Problem allein mit Hilfe der Theologie in den Griff zu bekommen.



Professor Beier und seine Öffentlichkeitsarbeit

9. Februar 2010: Professor Beier von der Charité hat viele gelungene Medienauftritte hinter sich, aber sein neustes Interview gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“ halte ich aus mehreren Gründen für missglückt. In der aktuellen Diskussion um die kürzlich bekannt gewordenen Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg meldet er sich mit einer provokanten These zu Wort:

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„Pädophilie ist nicht einfach heilbar“

30. Januar 2010: Sexualtherapeut und Charité-Mitarbeiter Christoph J. Ahlers äußert sich im Gespräch mit der TAZ zum Umgang mit therapieresistenten Wiederholungstätern. Außerdem gibt er Tipps, wie Eltern ihre Kinder vor pädophilen Sexualstraftätern schützen können:

„Pädophilie ist nicht einfach heilbar“

Ahlers bestätigt einmal mehr, dass es vor allem die emotional vernachlässigten Kinder sind, die ein erhöhtes Risiko haben, zum Opfer eines Sexualstraftäters zu werden.Besonders gefährdet sind Kinder, die wenig Aufmerksamkeit, Fürsorge, Geborgenheit und Aufgehobenheit in ihren Elternhäusern erfahren.“, so dass Fazit von Ahlers. Zum Thema Tätertherapie merkt er an, dass eine Therapie gegen den Willen des Täters nicht möglich ist. Ein Eindruck, den ich aus eigener Erfahrungen nur unterstreichen kann!

 

Jugendtrainer aus Passau verurteilt 

27. Januar 2010: Der Fall sorgte im Sommer letzten Jahres für bundesweite Schlagzeilen: Wegen vielfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern (auschließlich Jungen) stand ein Passauer Judotrainer vor Gericht. Am 7. Januar wurde der Mann wegen 221 (!) nachgewiesener Fälle vom Landgericht Passau zu sechs Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Außerdem wurde die Unterbringung in einem forensischen Krankenhaus angeordnet:

Landgericht Passau

Der Täter stand von Anfang an im Mittelpunkt, doch was wurde aus den Opfern? Bei Youtube gibt es seit kurzem ein Video zu sehen, in dem einer der missbrauchten Jungen (13) und dessen Mutter interviewt werden: 

Pädophiler Judotrainer: Mutter eines Opfers erzählt 

Zunächst spricht die Mutter. Sie wirkt gefasst, aber man merkt die immense Wut und die bittere Enttäuschung, die in ihrem Aussagen mitschwingt. Sie schildert, wie sie sich vom Täter täuschen ließ („Der ist schlau, der kann gut reden,...“) und wie er das Vertrauen ihres Sohnes schamlos ausnutzte, indem er sich als Vaterersatz bzw. als großer Freund anbot. Bei dem interviewten Jungen fällt auf, dass er die Tat erstaunlich locker und gefasst weggesteckt hat. Andererseits ist es ihm sichtlich unangenehm, über die Geschehnisse zu sprechen. Am liebsten möchte er die „die Vergangenheit hinter sich lassen und einfach weitergehen.“ Eine Verdrängungsstrategie, die man bei missbrauchten Kindern häufig findet. So cool und gefasst er jetzt auch wirkt: Was für langfristige Schäden der Junge davon tragen wird, ob er jemals unbefangen seine Sexualität mit Gleichaltrigen leben kann, das weiß derzeit niemand. Genau das macht auch die scheinbar harmlosen und „einvernehmlichen“ Übergriffe so verwerflich: Die Täter nehmen eine langfristige Schädigung des Kindes in Kauf, die sich zwar nicht immer sofort bemerkbar macht, in ihren langfristigen Auswirkungen aber niemals absehbar ist. 



Der geheuchelte Kinderschutz

25. Januar 2010: Die Katholische Akademie Trier veranstaltete vom 20. - 22. Januar eine Fachtagung zum Thema „Pädokriminalität weltweit“. Unter den Referenten waren Fachleute aus Polizei, Justiz und Sozialarbeit. Mit dabei war auch Deutschlands profiliertester Kinderpornographie-Fahnder, Oberstaatsanwalt Peter Vogt aus Magdeburg. Seine Forderung: Der Besitz von Kinderpornographie muss härter bestraft werden. 

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Ein typischer Fall von Selbstbetrug

19. Januar 2010: Ein aktueller Fall aus dem westfälischen Wesel gibt ein bezeichnendes Beispiel, wie sich Missbrauchstäter in die eigene Tasche lügen: 

Bewährungsstrafe für sexuellen Missbrauch 

Ein 54-jähriger Mann wurde vom Amtsgericht Wesel zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt, nachdem er sich im Juni 2008 an einem 12 Jahren alte Jungen vergangen hatte. Er fühle sich nicht zu Jungen hingezogen, so wird der Angeklagte zitiert. Ich behaupte: Doch, der Mann fühlt sich zu Jungen hingezogen! Vielleicht nicht primär, aber zumindest eine pädophile und/oder ephebophile Nebenströmung wird vorliegen, sonst hätte er die Tat nicht begangen. Es ist nichts Neues, dass viele Missbrauchstäter ihre pädophilen Tendenzen verdrängen, sie nicht wahrhaben wollen, sich sogar dafür hassen. In einer guten Tätertherapie muss deshalb immer daran gearbeitet werden, die eigene pädophile Ausrichtung zu erkennen und als unabänderlichen Persönlichkeitsbestandteil zu akzeptieren ‒ nur dann kann man lernen, verantwortungsbewusst damit umzugehen. Dass der Mann als Kind selbst missbraucht wurde, ist traurig und tragisch, entbindet ihn aber nicht von seiner Verantwortung, die er heute als Erwachsener trägt.  

Genau fragwürdig ist es, wenn der Junge heute noch Kontakt hat zu dem Mann hat, der ihn sexuell missbraucht hat. Im Gegensatz zum Staatsanwalt wäre ich mir nämlich nicht so sicher, dass es sich hier nur um ein „einmaliges Fehlverhalten“ handelte. Alle empirischen Daten zeigen, dass die Rückfallgefahr gerade bei Pädosexuellen mit homosexueller Orientierung sehr groß ist. Aus diesem Grund hätte man den Mann zumindest zu einer Therapie verpflichten müssen ‒ als Bedingung für die zur Bewährung ausgesetzte Strafe. In bin der Letzte, der für ein populistisches Strafrecht nach dem Motto „Wegsperren für immer!“ eintritt, aber eine naive und blauäugige Justiz wünsche ich mir genauso wenig. 



„This is love“ ‒ eine Filmkritik

16. Januar 2010: Am 19. November kam er deutschlandweit in die Kinos, der mit Spannung erwartete und mit hochkarätigen Stars besetzte Film This is love. Regisseur Mathias Glaser traute sich erstmals im deutschen Kino an das Thema Pädophilie heran. Gabriel hat sich den Film angesehen und seine Eindrücke in einer ausführlichen Rezension zusammengefasst: 

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Fernsehkritik: Sexobjekt Kind

13. Januar 2010: Mit „spannenden und informativen Dokumentationen“ wirbt der NDR für seine neue Dokumentationssreihe „45 Min.“, die es zukünftig jeden Dienstag um 22.30 Uhr im Fernsehprogramm des NDR zu sehen gibt. Zur Premiere am 12. Januar gab es ein Thema, wie es kontroverser und emotionsgeladener kaum sein kann, nämlich sexuellen Kindesmissbrauch. 

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Sexobjekt Kind

10. Januar 2010: „Sexobjekt Kind“ ‒ so lautet der Titel einer 45-minütigen Fersehdokumentation des Norddeutschen Rundfunks über sexuellen Kindesmissbrauch. NDR-Redakteur Sebastian Bellwinkel sprach dazu mit Opfern, Tätern und Fachleuten:

Sexobjekt Kind

Der Schwerpunkt dieser Dokumentation liegt auf der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen von Tätertherapien. Bellwinkels Fazit: Die therapeutische Netz für tatsächliche und potentielle Straftäter ist völlig unzureichend. Für Pädophile, die unter ihre Neigung leiden und freiwillig nach Hilfe suchen, gibt es so gut wie überhaupt keine Anlaufstellen. Auch verurteile Sexualstraftäter bekommen im Gefängnis oftmals überhaupt keine Therapie ‒ und bleiben nach ihrer Haftentlassung weiterhin gefährlich. „Sexobjekt Kind“ läuft am Dienstag, den 12. Januar um 22.30 Uhr im NDR Fernsehen.

 

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aktualisiert: 09.03.2010