Pädophilie und Kinderrechte
Das Thema Kinderrechte lag mir schon immer in besonderer Weise am Herzen. Weniger wegen meiner Pädophilie, sondern wegen meiner eigenen, extrem schwierigen Kindheit (siehe: Meine Zeit im Kinderheim). Dabei habe ich schnell gemerkt, dass es auch andere Pädophile gibt, die sich dem Thema Kinderrechte in besonderer Weise zugetan fühlen. Das ist sicher nicht unproblematisch, denn wenn sich ausgerechnet Pädophile für Kinder und ihre Rechte einsetzten, dann ist das im Allgemeinen nicht gern gesehen und ruft zumeist großes Misstrauen hervor. Zu leicht denkt man dabei an dubiose Pädophilen-Selbsthilfegruppen, die sich unter Berufung auf die angeblich verletzten Kinderrechte für eine Legalisierung pädophiler Sexualkontakte einsetzten. Es ist klar, dass der Begriff der Kinderrechte hier missbraucht wird, um höchst eigennützige Interessen damit zu verschleiern.
Es gibt aber auch Pädophile, die sich sehr ehrliche und ernst gemeinte Gedanken machen, wie man sich für Kinder einsetzten und ihre Stellung in der Gesellschaft verbessern kann. Leider gerät auch ihr Einsatz sehr schnell in Verruf, da es auf den ersten Blick oftmals nicht leicht zu erkennen ist, welche Motivation wirklich dahinter steckt, wenn sich jemand für Kinder und ihre Rechte einsetzt. Deshalb möchte ich die wichtigsten Hintergründe erklären und aufzeigen, wie man die Spreu vom Weizen trennen kann.
Die Rolle der Antipädagogik
Wenn es um Kinderrechte geht, spielt vor allem eine gesellschaftliche Strömung eine besondere Rolle. Es ist die so genannte Antipädagogik, eine Bewegung, die in den 70er-Jahren aufkam. Sie versteht sich als eine radikale Gegenthese zur traditionellen Pädagogik und wurde in Deutschland vor allem durch den umstrittenen Autor Ekkehard von Braunmühl bekannt.1) Die Antipädagogen fordern die absolute Gleichberechtigung von Kindern und Erwachsenen sowie die Abschaffung jeglicher Erziehung, egal ob autoritär oder antiautoritär. Nur so sei ein friedliches und faires Miteinander aller Generationen möglich. Die Eltern sollen das Kind nur noch begleiten, unterstützen und beraten, aber nicht erziehen. Jede Form von Erziehung wird gleichgesetzt mit Unterdrückung, Unfreiheit und Manipulation. Sie stellt in den Augen der Antipädagogen eine grundsätzliche Menschenrechtsverletzung dar. Die Antipädagogen grenzen sich selbst allerdings von der antiautoritären Erziehung ab, die im Gegensatz zur Antipädagogik auf jegliche Grenzsetzungen verzichtet. Natürlich müsse man Kindern Grenzen setzen, aber nur solche, die für Erwachsene in der gleichen Situation auch gelten. Abgelehnt werden dagegen Grenzen, die sich allein aus erzieherischen Gründen ergeben.
Daraus ergibt sich für die Antipädagogen, dass kein Mensch über einem anderen stehe und von daher auch keiner das Recht habe, einen anderen zu erziehen oder sonst in irgendeiner Weise nach seinen Vorstellungen zu formen und zu lenken. Jegliche erzieherischen Vorgaben für Kinder und Jugendliche lehnt die Antipädagogik kategorisch ab. Aus der Gleichberechtigung zwischen Kindern und Erwachsenen ergebe sich, dass auch Kinder das Recht haben müssten, vollkommen selbstbestimmt über ihr Leben zu entscheiden. Die Aufgabe der Eltern besteht nur noch darin, das Kind bei allen seinen Entscheidungen zu unterstützen und zu beraten. Die Eltern sollen dem Kind ihre Hilfe und Begleitung anbieten, aber eben nicht aufzwingen. Die Antipädagogik bestreitet nicht, dass Kinder ein hohes Maß an Liebe und Zuwendung brauchen. Jede Form von Zwang wird aber abgelehnt. Eine Ausnahme gilt lediglich dort, wo das Kind die Rechte anderer verletzt.
Die Forderung nach Gleichbehandlung von Kindern und Erwachsenen stellt also die Kernaussage der Antipädagogik dar. Auch in rechtlicher Hinsicht möchte die Antipädagogik Kinder und Erwachsene gleichgestellt sehen. Ein wichtiger Aspekt ist daher das Eintreten für eine politische und gesellschaftliche Mitbestimmung von Kindern. Auch die Forderung nach einem Wahlrecht ganz ohne Altersgrenze, die auf viele Menschen sehr provokant wirkt, entstammt ursprünglich den Ideen der Antipädagogik. Die Ideen der Antipädagogik wurden in Deutschland vor allem durch die umstrittene Kinderrechtsgruppe KRÄTZÄ bekannt.2) Dass die Antipädagogik bislang kaum Anklang gefunden hat, dürfte nicht weiter verwundern. Zu radikal und zu wirklichkeitsfern erscheinen viele ihrer Thesen. So führt die Antipädagogik in ihrer radikalen Form lediglich ein Schattendasein, für das sich nur eine Minderheit der Eltern und Pädagogen begeistern kann.
Die Antipädagogik und ihre Faszination auf Pädophile
Interessant ist, dass es gerade unter Pädophilen auffällig viele Anhänger der Antipädagogik gibt. Verallgemeinern darf man diese Aussage sicherlich nicht, denn es gibt auch Pädophilie, die sehr ausgewogene, mitunter sogar strenge Vorstellungen zum Thema Erziehung haben. Trotzdem üben die Ideen der absoluten Gleichberechtigung ziwschen Kindern und Erwachsenen auf viele Pädophilie eine ungeheuere Anziehungskraft aus. Das ist bei genauer Betrachtung nicht weiter verwunderlich, denn Pädophile sehen sich ungern in der Rolle des Erziehers. Mit dem pädagogischen Selbstverständnis vieler Erwachsener können sie nicht viel anfangen. Pädophile haben im Allgemeinen nicht den Anspruch, ein Kind zu leiten und zu führen, sie wünschen sich eine gleichberechtigte Beziehung, eine Freundschaft auf gleicher Ebene. Von daher ist es verständlich, wenn Pädophile sich in der Gedankenwelt der Antipädagogik eher zu Hause fühlen als im klassischen pädagogischen Denken.
Der problematische Punkt ist aber, dass die Ideen der Antipädagogik mitunter auch gezielt missbraucht werden. Oft genug wurde unter dem Deckmantel der Kinderrechte schon die Abschaffung des § 176 StGB gefordert. Die Begründung ist immer wieder die gleiche: Das Verbot sexueller Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen widerspräche den Kinderrechten, da den Kindern angeblich die freie und selbstbestimmte Wahl ihrer Sexualpartner vorenthalten werde. Dieses Argument überzeugt meines Erachtens nicht, denn der § 176 schränkt nicht die Rechte des Kindes ein, sondern die des Erwachsenen. Der Erwachsene ist es, dem etwas verboten wird und nicht das Kind. Leider gibt es bestimmte Interessengruppen, die hier ganz gezielt die Tatsachen verdrehen. Der Kinderrechtsgedanke wird dabei missbraucht und für höchst eigennützige Zwecke vereinnahmt. Ich fürchte allerdings, es gibt auch Pädophile, die wirklich davon überzeugt sind, auf edelmütige Weise für die Rechte des Kindes zu kämpfen. Das ist Teil der narzisstischen Verklärung, unter der sie leiden: Sie können ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr von denen des Kindes unterscheiden.
Ich will die Antipädagagogik als solche nicht verunglimpfen; sie hat insgesamt sicher keinen pädophilen Hintergrund. Fakt ist aber auch, dass es zwischen Antipädagogik und Pädophilen-Szene immer wieder einige sehr unglückselige Verquickungen gab. Viele Antipädagogen scheinen nicht so richtig zu wissen, wie sie damit umgehen sollen, denn oft drücken sie sich um eine klare Stellungnahme herum, wenn es um ihre Einstellung zum Thema Pädophilie und „einvernehmliche Sexualität“ geht. Das ist nicht weiter verwunderlich, kommt man doch schnell in Erklärungsnot, wenn man auf der einen Seite die totale Gleichberechtigung von Kindern und Erwachsenen fordert, sich auf der anderen Seite aber nicht von pädophilen Interesssen missbrauchen lassen will. Wenn man den Gedanken der absoluten Gleichberechtigung zwischen Kindern und Erwachsenen konsequent zu Ende denkt, dann muss man in letzter Konsequenz allerdings auch eine gleichberechtigte Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen für möglich halten, alles andere wäre ein logischer Widerspruch. Genau dieser heikle Punkt wird von den Antipädagogen gerne ausgeklammert, ja sogar regelrecht totgeschwiegen, womit man sich ganz sicher keinen guten Dienst erweist.
Es wird vielleicht immer so sein, dass gerade pädophile Menschen sich mehr von den Gedanken der Antipädagogik angezogen fühlen als andere Erwachsene. Sie werden sich immer eher in der Rolle des großen Freundes sehen als in der Position des Erziehers. Nicht akzeptabel ist es dagegen, wenn der Einsatz für Kinderrechte dazu benutzt wird, eine unterschwellige Legitimation für die Bedürfnisse von Erwachsenen zu suchen. Gerade hier hat die Antipädagogik eine große Verantwortung: Sie muss klar benennen, worum es ihr geht und worum nicht. Wenn sie weiter als seriöse Kinderrechtsbewegung ernst genommen werden will, muss sie sich noch sehr viel klarer von zwielichtigen Bestrebungen abgrenzen. Als weitläufige Freiheitsideologie, die von jedermann nach Belieben vereinnahmt werden kann, wird sie nicht überleben können.
Hier im Portal „Pädophilie und Kinderrechte“ stelle ich eine Auswahl meiner kinderechtlichen Texte vor, die ich im Laufe der Jahre verfasst habe. Damit möchte ich auch dem Vorurteil entgegentreten, Pädophile seien ausschließlich sexuell an Kindern interessiert. Auch als Pädophiler kann man sich sehr ernsthafte Gedanken über die Bedürfnisse und Lebensbedingungen von Kindern machen kann, die weit über das Sexuelle hinaus gehen. Mit meinen Beiträgen möchte ich zeigen, wie verantwortungsvolle Kinderrechtsarbeit aussehen kann, die sich ‒ so hoffe ich zumindest ‒ an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und nicht an den egoistischen Interessen der Erwachsenen.
Quellen:
1) Ekkehard von Braunmühl: „Antipädagogik ‒ Studien zur Abschaffung der Erziehung“, Weinheim 1975
2) KRÄTZÄ

