Dienstag, 07.09.2010

 Der lange Weg der Selbsterkenntnis


Die ersten Anzeichen einer pädophilen Ausrichtung machten sich bei mir schon sehr früh bemerkbar. Bereits im Alter von 15 oder 16 Jahren spürte ich, dass ich viele Interessen meiner gleichaltrigen Klassenkameraden nicht teilte. Gemeinsam in die Disco gehen, mich mit gleichaltrigen Mädchen anfreunden ‒ mit all diesen Dingen konnte ich nichts anfangen. Stattdessen fühlte mich von Kindern angezogen, die deutlich jünger waren als ich, teilweise erst 8 oder 9 Jahre alt. Damals konnte ich diese Gefühle für mich noch nicht einordnen. Es wäre mir niemals in den Sinn gekommen, mich als „pädophil“ zu bezeichnen. Mir war nur klar, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte; dass es irgendetwas gab, das mich von anderen Jugendlichen meines Alters unterschied. Als verunsichertem Teenager blieb mir nichts anders übrig, als diese Gefühle hinzunehmen und darauf zu hoffen, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo ich mich zu gleichaltrigen Mädchen hingezogen fühle, so wie andere Jungen auch.

Im Sommer 1989 (ich war damals 16 Jahre alt) wurden meine Gefühle für Kinder erstmals zum ernsthaften Problem. Das ZDF strahlte damals die Fernsehserie „Der Stein des Marco Polo“ aus. Es handelte sich um eine italienische Kinderserie, in denen eine Gruppe von fünf Kindern spannende Abenteuer miteinander erlebt. Diese Serie hat mich auf eine Art und Weise innerlich berührt, wie ich es niemals zuvor erlebt hatte hatte. Ich war dermaßen in die kindlichen Darsteller vernarrt, dass ich mich zeitweise kaum noch auf meinen Alltag konzentrieren konnte. Es war schon verrückt: In einer Fernsehserie glaubte ich plötzlich genau die „heile Kinderzeit“ zu finden, die ich in meinem eigenen Leben so schmerzlich vermisst hatte (vergl. Meine Zeit im Kinderheim). In meiner Fantasie malte ich mir ständig aus, wie schön es sein würde, mit diesen Kindern befreundet zu sein und zu ihnen zu gehören. Das Schlimmste aber war der unerträgliche Liebeskummer; denn trotzdem meiner intensiven Wunschvorstellungen war mir immer noch bewusst, dass ich mich in Fernsehfiguren verliebt hatte, die für mich niemals erreichbar waren.

Insgeheim fing ich sogar an, mich für meine Gefühle zu hassen, denn sie haben mir ja weitaus mehr Kummer als Freude gemacht. Ganz zu schweigen von der unendlichen Scham, die ich empfunden habe; denn ich wusste ja, dass es für einen 16-Jährigen nicht „normal“ war, dermaßen in eine Kinderserie vernarrt zu sein. Gesprochen habe ich darüber mit niemandem. Nur vor meiner eigenen Familie konnte ich es nicht verbergen, wenn jeden Nachmittag der Videorecorder lief, um die neueste Folge aufzuzeichnen. Meine Familie hat das damals als kindlichen Spleen abgetan und nicht wirklich ernst genommen, von meiner inneren Not aber haben sie nichts geahnt. Vor allem konnte ich selbst nicht verstehen, was eigentlich mit mir los war. Ich dachte, meine Faszination für die Fernsehserie hätte etwas mit meinen unerfüllten Kindheitssehnsüchten zu tun (was ja auch nicht falsch war). Dass sich damit aber auch ein erster Hinweis auf eine sich anbahnende pädophile Identität abzeichnen würde, wäre mir damals nicht in den Sinn gekommen.

 

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Als 17-Jähriger kam ich für einige Monate in eine psychosomatische Klinik. Dort sprach ich mit einer Therapeutin auch über meine sexuellen Fantasien, die ich gegenüber kleinen Jungen empfand. Die Psychologin nahm meine Gefühle zwar ernst, sah das ganz aber nur als eine vorübergehende Phase an. Ihre Erklärung klang einleuchtend: Ich sei nicht wirklich pädophil, sondern hätte im Vergleich zu meinen Altersgenossen noch sehr viel Nachholbedarf und sei innerlich noch ein ganzes Stück weit in meiner Kindheit stecken geblieben. Später, wenn ich erwachsen und selbstsicherer geworden wäre, würden diese Fantasien auch wieder verschwinden. Ich glaube den Worten der Psychologin und klammerte mich jahrelang an die Hoffnung, irgendwann wieder „normal“ zu werden.

In Klinik geschah es auch das erste Mal, das ich mich real in einen kleinen Jungen verliebte. Er war 11 Jahre alt, hieß Thomas (Name geändert) und wohnte nebenan auf der Kinderstation. Ich hatte ihn in einer stationsübergreifenden Therapiegruppe kennen gelernt, wo er sehr freundlich und aufgeschlossen mit mir umging. Ich selbst war zum damaligen Zeitpunkt schon 18, so dass mir die Brisanz meiner Gefühle durchaus bewusst war. Meine Verliebtheit spielte sich zunächst nur in der Fantasie ab, ohne dass ich irgendwelche Versuche unternahm, mit Thomas auch außerhalb der Therapiegruppe in Kontakt zu treten. Meine Gefühle beschäftigten mich allerdings so sehr, dass ich mich einer Klinikmitarbeiterin anvertraute. Sie reagierte verständnisvoll, wirkte aber auch ein bisschen verunsichert und schien nicht so recht zu wissen, was sie von meiner unerwarteten Beichte halten sollte. Sie beriet sich mit ihren Kollegen und einige Tage später wurde in der wöchentlichen Teamsitzung über meinen „Fall“ gesprochen. Mir war es unangenehm, wie viel Wirbel ich verursacht hatte, nur weil ich einfach mal mit jemandem über meine Gefühle sprechen wollte.

Ich musste mir daraufhin viele kritische Fragen zu meiner Sexualität gefallen lassen. Weitergehende Maßnahmen gab es aber nicht. Man sah das Ganze sogar eher positiv und wertete die Freundschaft zu Thomas als „Ausbruch aus meiner Isolation“, wenngleich man auch die „Problematik“ dieser Konstellation sah. Daraufhin fasste ich tatsächlich den Mut, mit Thomas in Kontakt zu treten. Ich meldete mich auf der Nachbarstation an und fragte ihn, ob er Lust hätte, mit mir zu spielen. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Er war sofort bereit, sich mit mit abzugeben, auch wenn ich bereits deutlich älter war als er. Von da an trafen wir uns regelmäßig und es entwickelte sich tatsächlich eine freundschaftliche Beziehung, bei der ich mich – zumindest in den ersten Wochen ‒ wie im siebten Himmel fühlte. Die Klinikmitarbeiter beobachteten meinen Kontakt mit Thomas sehr genau. Es war aber nie im Gespräch, mir die Freundschaft zu verbieten. Bestimmte Einschränkungen gab es allerdings. So durfte ich z. B. nicht mit Thomas allein in die Stadt gehen, sondern mich nur auf dem Klinikgelände mit ihm aufhalten. Trotzdem war ich froh und dankbar, dass man diese ungewöhnliche Freundschaft überhaupt tolerierte. Außerhalb des geschützten Rahmens der Klinik wäre ich bestimmt nicht auf so viel Verständnis gestoßen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in Gegenwart von Thomas jemals sexuell erregt war, aber die psychische Sehnsucht nach ihm war schon sehr massiv. Ich genoss das Zusammensein mit ihm, das mir ein Gefühl von tiefer Geborgenheit vermittelte, die ich bei Gleichaltrigen nicht fand. Der Kontakt dauerte nur etwa zwei Monate, dann wurde Thomas aus der Klinik entlassen. Für einige Zeit standen wir noch miteinander in Briefkontakt, aber irgendwann schlief der Kontakt ein. Ich fand das zwar sehr schade, aber böse war ich Thomas dafür nicht. Mir war schon damals klar, dass ich nicht das Recht hatte, einen so jungen Menschen für mich zu vereinnahmen. Also akzeptierte ich das Ende dieser Freundschaft, auch wenn es mir nicht leicht viel.

 

Die Gefühle verschwinden nicht

Fortan spielte sich meine Schwärmerei für Kinder wieder ausschließlich in der Fantasie ab. Meine Faszination für die Kinderfernsehserie „Der Stein des Marco Polo“ war inzwischen wieder verflogen, dafür schwärmte ich nun für die Jungs einer erfolgreichen Jugendsportmannschaft, über die regelmäßig im Sportteil unser Lokalzeitung berichtet wurde. Ich sammelte alle Artikel über die Mannschaft und stellte ich mir vor, wie schön es wohl sein würde, mit den Jungen dieser Gruppe befreundet zu sein und selbst noch einmal so jung zu sein wie sie. Vom Verstand her war mir klar, dass ich mit diesen Jungs niemals real in Kontakt treten würde. Trotzdem klammerte ich mich beharrlich an die Hoffnung, dass es durch eine glückliche Fügung des Schicksals vielleicht doch einmal passieren würde. Auch damals verstand ich meine Faszination für Kinder noch nicht als Ausdruck einer sich anbahnenden Pädophilie. Meine Therapeutin hatte mir ja kurz zuvor bestätigt, dass ich „nicht wirklich“ pädophil sei, sondern nur einen immensen Nachholbedarf in Sachen Kindheit hätte. Diese Auffassung vertrat sie auch jetzt noch, obwohl ich immer recht offen über meine Fantasien mir ihr sprach. Ihre Einschätzung erschien mir durchaus glaubhaft, denn tatsächlich spürte ich immer noch eine unendliche Sehnsucht zurück in meine Kindheit, die es mir extrem schwer machte, mich als inzwischen 18-jährigen jungen Mann zu akzeptieren.

Einige Jahre später sprach ich noch einmal mit einem anderen Therapeuten über meine ungewöhnlichen Gefühle, die ich für Kinder empfand. Auch dieser Mann sah das Ganze relativ locker und meinte, meine Gefühle für Kinder seien nur eine vorübergehende Phase, die irgendwann wieder verschwindet, wenn ich mich weiterentwickelt hätte. Wieder einmal hatte ich bestätigt bekommen, nicht „wirklich“ pädophil zu sein, womit meine gröbsten Sorgen erst einmal wieder zerstreut waren. Ich hoffte nur, der Zeitpunkt, an dem mein sexuelles Interesse von Kindern auf Erwachsene umspringt, möge hoffentlich bald eintreten, schließlich wartete ich nun schon so viele Jahre darauf.

Im Jahr 2000 später trat ich in den örtlichen Schachverein ein, wo ich recht schnell Anschluss fand. Ich war ganz überrascht, dass ich im Schachverein auch Kinder waren, denn das hatte ich vorher nicht erwartet. Der Umgang mit ihnen hatte mich wieder einmal auf ganz merkwürdige Weise berührt, ohne dass ich benennen konnte, warum das so war. Ich war immer noch weit davon entfernt, mich selbst als pädophil wahrzunehmen, denn genau das war mir schließlich oft genug erfolgreich ausgeredet worden. Zu dieser Zeit habe ich mich immer noch eine ungewöhnliche Faszination für Kinderfernsehserien empfunden. Zwar nicht mehr so stark wie damals bei „Der Stein des Marco Polo“, aber ich fühlte mich immer noch seltsam berührt, wenn ich mir die neusten Folgen der „Pfefferkörner“ oder der „Kinder vom Alstertal“ ansah. Ich spürte, das diese Serien für mich das Idealbild einer „heilen Kinderwelt“ verkörperten, dass ich nie hatte. Also schob ich das Ganze wieder einmal auf meine Kindheitsdefizite, womit ich immer noch die Hoffnung verband, irgendwann wieder ganz „normal“ zu werden und mich für erwachsenen Partner zu interessieren. Vorerst aber genoss ich den Umgang mit Kindern im Schachverein und machte mir ansonsten keine großen Gedanken um das Thema.

 

Die plötzliche Selbsterkenntnis

Inzwischen war ich längst über 30, doch solange ich auch wartete: Meine Bedürfnisse nach Sexualität, nach Zärtlichkeit und emotionaler Nähe zu Kindern wollten einfach nicht verschwinden. Ebenso wenig konnte ich etwas mit erwachsenen Partnern anfangen. Das Schlimmste war, dass ich immer noch nicht wusste, wie ich mich einordnen sollte. Pädophil war ich ja angeblich nicht. Was aber war ich dann? Ein „normaler“ heterosexueller Mann konnte ich auch nicht sein, denn dann hätte ich mich für erwachsene Frauen interessieren müssen, was aber nie der Fall war. Schwul war ich auch nicht, denn mit erwachsenen Männern konnte ich genauso wenig anfangen.

Ich hatte keine Ahnung mehr, wer ich war und was ich von mir halten sollte. Lauter Fragezeichen, auf die es keine Antwort gab – es war zum Verzweifeln! Ich hatte immer noch die Worte der Therapeutin im Ohr, die mir als 17-Jährigem versicherte: „Das ist alles nur eine vorübergehende Phase!“ An diese Hoffnung habe ich mich geklammert bis zuletzt, doch insgeheim merkte ich sehr genau, dass mich das ständige Verdrängen immer unglücklicher machte. Ich wollte nur noch eins: Endlich Klarheit haben, wer ich bin und was mit mir los ist. Im Alter von 30 Jahren traf mich die Selbsterkenntnis dann ganz plötzlich und unvermittelt. Im Herbst 2003 schlenderte ich durch eine Hamburger Buchhandlung und blättere im Lexikon der Tabubrüche, in dem es auch einen Artikel über Pädophilie gab. In diesem Artikel gab es das berühmte Zitat von Prof. Schmidt zu lesen, das von vielen Pädophilen immer wieder gerne zitiert wird:

Das ist die Tragik pädophiler Männer. Der große Unterschied an Macht und Einfluß, an Kenntnis und Wissen, an Abhängigkeit und Autonomie, vor allem aber die Disparität der Szenarien und die Differenz der Sexualität von Kindern und Erwachsenen machen pädophile Beziehungen heute unaufhebbar problematisch. Tragisch ist diese Situation, weil die sexuelle Orientierung des Pädophilen tief und strukturell bis in ihre Identität hinein verwurzelt ist. Die Pädophilie gehört zu ihnen wie die Liebe zum gleichen oder anderen Geschlecht beim Homo- oder Heterosexuellen, mit dem Unterschied, daß das eine grundsätzlich erlaubt, das andere, die Pädophilie, grundsätzlich verboten und seine Realisierung kaum möglich ist. Für diese Bürde, die Zumutung, ihre Liebe und Sexualität nicht leben zu können, verdienen sie Respekt, nicht Verachtung, Solidarität, nicht Diskriminierung.“

(Gunter Schmidt: „Über die Tragik pädophiler Männer“, Zeitschrift für Sexualforschung Nr.2/99)

Beim Lesen dieser Zeilen war ich wie elektrisiert. Mir wurde schlagartig klar: „Das bin ja ich, das ist genau mein Leben, das da beschrieben wird!“ Diese plötzliche Selbsterkenntnis traf mich wie ein Hammerschlag, ich fühlte mich wochenlang nur noch niedergeschlagen und wusste überhaupt nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Meine Strategie der Selbsttäuschung, die ich mir über all die Jahre so erfolgreich funktionierte, brach von einem Augenblick auf den anderen zusammen. Unzählige Fragen schossen mir durch den Kopf: „Wie soll es jetzt weiter gehen?“, „Wie soll ich dieser unerfüllbaren Neigung jemals ein glückliches Leben führen?“ Erstmals dachte ich sogar ernsthaft in meinem Leben an Selbstmord, denn ich sah keinen Ausweg aus meinem Dilemma. Mir war klar, dass meine tragische Neigung auf ewig unerfüllbar bleiben würde. Glücklicherweise stand mir in dieser extrem schweren Zeit ein Therapeut aus Hamburg zur Seite, bei dem ich schon einigen Jahren in Behandlung war, um meine Kindheit aufzuarbeiten. Mit Ihm konnte ich offen über mein Problem reden und fand glücklicherweise auch sehr verständnisvolle Ohren. Dies hat mir sehr geholfen, in dieser dunklen Zeit nicht den Lebensmut zu verlieren.

So langsam verwandelte sich meine anfängliche Hoffnungslosigkeit in Aktivismus. Ich wollte mich umfassend und bestmöglich über mein Problem informieren. Im Frühjahr 2004 ließ ich mir einen Termin in der Sexualberatungsstelle im Universtitätsklinikum Hamburg-Eppendorf geben, die im Hamburger Raum auf die Behandlung pädophiler Patienten spezialisiert sind. Doch meine Erwartungen wurden eher enttäuscht: Man lud mich zu einem unverbindlichen Vorgespräch ein, wo ich mich erst einmal gründlich aussprechen konnte, was mir auch sehr gut tat. Ich bekam noch drei oder vier weitere Termine, doch plötzlich hieß es, man könne mir aufgrund personeller Engpässe keinen dauerhaften Therapieplatz zur Verfügung stellen. Bei mir bestünde nicht das Problem, dass ich meine Fantasien in die Tat umsetzen würde, deshalb sei es ausreichend, wenn ich mich wieder an meinen bisherigen Therapeuten wende. Bei ihm sei ich schließlich schon so lange Behandlung, von daher sollte die Behandlung auch zukünftig in seinen Händen verbleiben.

Während dieser Zeit legte ich mir erstmal einen Internetanschluss zu, so dass ich nun die Möglichkeit hatte, mich umfassend über mein Problem zu informieren. Nach und nach wurde mir immer mehr klar, das ich mich so annehmen muss, wie ich bin, eine andere Chance habe ich nicht. Keiner wird mich „heilen“ oder „umpolen“, ich werde für immer damit leben müssen, dass ich mich sexuell zu Kindern hingezogen fühle. In dieser Zeit schrieb ich meine ersten Texte, die noch heute auf meiner Homepage zu sehen sind, z. B. meine 15 Grundsätze oder meine Gedanken zum humanistischen Liebesbegriff. Nachdem ich sie für mich selbst aufgeschrieben hatte, wolle ich meine Gedanken auch Anderen mitteilen, wozu ich den Weg über das Internet wählte. Im Sommer 2004 hatte ich erstmals den Mut, mich in einem öffentlichen Diskussionsforum unter dem Namen „Marco“ als pädophil zu outen. Die ersten Reaktionen waren unerwartet positiv, so dass ich den Mut fand, in weiteren Foren zu schreiben, wo ich mich ebenfalls zu meiner Pädohilie bekannte.

 

Von Anfang an eine klare Haltung

In einem Punkt aber gab es für mich nie den geringsten Zweifel: Es war mir immer klar, dass ich meine Sexualität niemals ausleben darf. Ich hatte immer den Anspruch, Kinder zu lieben und ihnen Gutes zu tun. Dieser Anspruch verbietet es mir, Kinder für meine eigene Lustbefriedigung zu missbrauchen. Gleichzeitig gibt mir meine Liebe zu Kindern die Kraft, nicht aufzugeben, sondern alles daran zu setzen, verantwortungsbewusst mit meiner Neigung umzugehen und auf diese Weise vielleicht sogar etwas zum Kinderschutz beizutragen. Eine wichtige Stütze ist mir dabei meine humanistische Lebensphilosophie, besonders die Werke von Erich Fromm haben mich sehr beeindruckt. Genauso einzigartig ist wie sein Gesamtwerk ist auch Erich Fromms Auffassung von Liebe, die sich laut Fromm vor allem darin zeigt, ob man bereit ist, Verantwortung für den geliebten Menschen zu übernehmen und seine eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellen. In diesem Sinn ist es absolut nichts Verwerfliches, ein Kind zu lieben. Über eins muss man sich aber immer im Klaren sein: Liebe und sexueller Missbrauch schließen sich kategorisch aus. Ein Kind wirklich und wahrhaftig zu lieben ist so gesehen sogar der beste Schutz, ihm jemals etwas Böses anzutun. Dieser Weg ist hart und schwer, da darf man sich keine Illusionen machen. Vor allem muss man sich ständig unter Kontrolle haben. Wer seine Sexualität als etwas erlebt, das ihn überkommt und dem er willenlos ausgeliefert ist, muss sich unbedingt in ärztliche Behandlung begeben.

Auch wenn ich Sex mit Kindern ablehne, bin ich nicht der Meinung, dass man seine Zuneigung zu Kindern verdrängen oder unterdrücken sollte. Man kann nur verantwortungsvoll mit dieser Neigung umgehen, wenn man sie als Bestandteil der eigenen Persönlichkeit annimmt, ohne sich dafür zu verurteilen. Grundsätzlich ist es möglich, eine pädophile Ausrichtung so umzulenken, dass sie sich auf nicht-sexueller Ebene manifestiert. Die große Chance liegt genau darin, dass viele Kernpädophile für sich den Anspruch haben, Kinder zu lieben. Viele Menschen empfinden das zwar als großen Zynismus, aber genau hier kann man einen Kernpädophilen gewissermaßen bei der Ehre packen, indem man ihm klar macht: „Wenn du Kinder wirklich liebst, dann musst du bereit sein, auf das Ausleben deiner Sexualität zu verzichten!“ Einige Pädophile können im bewussten Verzicht sogar einen besonderen Liebesbeweis zum Kind sehen, der ihnen Kraft und Sinn geben kann.

Man kann lernen, seine Liebe zu Kindern platonisch auszudrücken und sie damit in Bahnen zu lenken, die Kindern sogar zu Gute kommen können. Mit meinen Erfahrungen möchte ich anderen Pädophilen helfen, ebenfalls auf Sex mit Kindern zu verzichten, aber dennoch ein Stückchen innere Zufriedenheit zu erlangen. Ich habe gelernt, meine Kontakte zu Kindern auf rein freundschaftlicher Ebene zu halten, ohne dass ich dabei Gefahr laufe, irgendwelche Grenzen zu überschreiten. Ich beteilige mich an der Jugendarbeit meines Schachvereins, was mir sehr viel Spaß macht. Jede Woche spiele ich mit den Kindern, wodurch natürlich auch das eine oder andere Gespräch entsteht. Das sind die kleinen Augenblicke, die einem Pädophilen trotz aller Enthaltsamkeit ein kleines bisschen Lebensglück geben können. Wir Pädophile müssen lernen, uns an diesen kleinen Momenten zu erfreuen und dankbar dafür zu sein, denn ich glaube, für uns Pädophile kann das Lebensglück nur im Kleinen und Alltäglichen liegen. Jeden Kontakt mit einem symphatischen Kind,sei er auch noch so flüchtig und kurz, empfinde ich als ein ganz besonderes Geschenk. Dieser Weg ist natürlich nur für Pädophile geeignet, die ihren sexuellen Trieb jederzeit unter vollständiger Kontrolle haben. Andernfalls können auch rein freundschaftliche Kontakte zu Kindern sehr gefährlich werden.

aktualisiert: 01.05.2010