Unter diesem poetisch anmutenden Titel berichtet Max von einer Begebenheit aus dem Jahr 2006, als er gemeinsam mit einer Gruppe von Kindern in einem S-Bahn-Abteil saß. Was diese Geschichte so liebenswert macht, ist die besondere Sensibilität für die kleinen Momente des Alltags. Scheinbar beiläufige Momente, denen Nicht-Pädophile oft keinerlei Bedeutung beimessen, die man als Pädophiler aber viel intensiver wahrnimmt. Die Erlebnisse von Max machen deutlich, dass Pädophilie mehr ist als nur die sexuelle Fixierung auf Kinder. Zur Pädophilie gehört oft auch eine tiefe platonische Faszination für Kinder.

Sonnenaufgang

von Max

Was ist Pädophilie? Was macht diese Ausrichtung aus? Das ist natürlicherweise schwer zu begreifen, besonders für nicht-pädophile Menschen. Da werden oft notdürftige „Erklärungen“ zusammengezimmert, wie „Die denken bei Kindern an Sex“ oder „Die sind gestört“ (wahlweise triebgesteuert/sadistisch/unzurechnungsfähig), „…wollen doch nur ihre Macht ausspielen, wie sie es bei Erwachsenen nicht können.“ ‒ auch nicht alles ganz unrichtig. Vielleicht kann folgender Bericht da helfen. Diese Beobachtung an mir selbst stammt aus der Phase, wo meine Überlegungen darum kreisten, ob alles, was irgendwie mit der Pädophilie verknüpft ist, automatisch gefährlich und schlecht ist. (Übrigens vor dem Erlebnis aus Mit Schock zum Glück) Eine nahe Verwandte, vor der ich mich schon früh geoutet hatte, hat sie jedenfalls zu der Äußerung bewegt, nun verstehe sie endlich ein Stück weit diese meine Gefühle; einen Funken davon, was Pädophilie eigentlich ist.

Irgendwann Ende 2006 fuhr ich mit der S-Bahn, als einige Grundschulkinder einstiegen, 3. bis 5. Klasse vielleicht. Zwei Betreuer dabei, die sehr locker wirkten, sich aber doch über den Lärm muckierten, den ihre aufgedrehte Truppe machte. (Ich vermute, dass sie auf dem Heimweg von einem Ausflug waren) Ich war die ganze Zeit über ca.3-5 Meter entfernt im selben Abteil. Zunächst stehend, später sitzend, beobachtete ich das Treiben, wie sie sich gegenseitig neckten. Die anderen Fahrgäste schien das Kinderlachen, ihr Juchzen und Krakeelen, leicht zu stören, mich jedoch nicht die Bohne. War eher Musik in meinen Ohren. Ich dachte mir so, dass es doch eigentlich schön ist eine Sache, die andere als Störfaktor empfinden, positiv sehen zu können (zumal Kinderlärm ja wirklich gar keinen objektiven Schaden verursacht). Die Betreuer lachten mit den Kindern, auch so ein bisschen gequält — ironisch auf den Lärm anspielend: „Ob die Leute euren Krach wohl gut finden werden?“, so sinngemäß.

Dann gab es einen Moment, wo fast zeitgleich einer der Jungs und ein Mädchen lachen mussten und da fiel mir etwas auf. Diese Situation habe ich heute wie in Zeitlupe im Gedächtnis und als ich den Jungen lächeln sah, hab ich mich mit ihm gefreut. Gedacht: „Schön dass der kleine Kerl sich freut.“, und fing unwillkürlich an, mitzulächeln. Mein Blick fixierte vor allem sein Gesicht und die Mundpartie. Bei dem Mädchen aber fixierte ich automatisch das komplette Gesicht und bis runter zu den Schultern. Und ich empfand etwas ganz anderes: Diese Freude. Ultimative Schönheit. Überwältigung! ‒ Ein Gefühl wie: „Wow, die Sonne geht auf!“. (Aber: noch ohne jeden Gedanken in sexuelle Richtung) Hätte sie mich angeschaut, ich hätte gar nicht einfach zurücklächeln können! Stattdessen wäre es eher eine verhaltene Verbeugung geworden, aus einer gewissen Ehrfurcht vor dem Wesen, dem diese übermächtige Freude geschenkt war.

Im Nachhinein fiel mir auf, dass es tatsächlich öfter vorkam, ob im Bekanntenkreis oder auf der Straße, dass ich, wenn mich ein Mädchen anlächelte, nicht nur zurückgelächelt sondern mich eigentlich leicht verneigt habe. Ihr zugenickt, wie man eben jemanden aus der Ferne grüßt oder ihm für etwas dankt.

© 2009 Max